FERNSEHEN IM INTERNET – VIELE RECHTE, WENIG DURCHBLICK

 

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Divide et impera

Teile und herrsche! So raten es die Römer denen, die ein besiegtes Volk regieren wollen. Man teile es in Gruppen auf, deren Interessen sich widersprechen, und schon gehen sie aufeinander los, während man sich unterm Lorbeerkranz die mediterrane Sonne auf den Scheitel scheinen lässt.

An dieses Prinzip lehnen sich auch die an, die die Rechte an audiovisuellen Inhalten besitzen: vom Spielfilm über die TV-Serie bis zum Sport. Sie teilen ihr Rechte geschickt auf und verkaufen sie an TV-Sender, Netz- und Plattformbetreiber. Der eine darf den Inhalt linear im Fernsehen weiterverbreiten, der andere non-linear in seiner Mediathek, der Dritte mobil, der Vierte über IP, aber nur in einem geschlossenen Netz und der Fünfte im offenen Internet, aber nur für die zahlende Kundschaft.

Das Ganze lässt sich dann noch herrlich kombinieren und in Standard- (SD) sowie hohe Auflösung (HD) unterteilen: non-lineare, drahtgebundene IP-Verbreitung in SD, lineare drahtlose Weiterverbreitung in HD, mobile Verbreitung nur über WLAN und nicht im Mobilfunknetz usw. Wer blickt da noch durch? Die Antwort: keiner. So streiten sich TV-Sender mit Netzbetreibern und Plattformanbietern, was wie dem Zuschauer dargeboten werden darf. Dieses Chaos versucht nun die EU zu ordnen und erntet prompt Kritik. Die geplante Verordnung schaffe nur noch mehr Rechtsunsicherheit, heißt es.

Diese Behauptung muss sich der Gesetzgeber auch beim neuen WLAN-Gesetz gefallen lassen. Eigentlich sollte die Novelle des Telemediengesetzes ein für allemal die Störerhaftung regeln. Rechtsexpertin Anne Baranowski befürchtet jedoch, dass durch die Wiedereinführung der Netzsperre neue Rechtsunsicherheit aufkommen wird.

Ebenfalls mehr Sicherheit, nur hier im Sinne von Investitionen, fordert eine Studie der Bertelsmann-Stiftung zum Breitbandausbau in Deutschland. Gerade bei den Glasfaseranschlüssen tut sich hierzulande laut Bertelsmann herzlich wenig – Vectoring ist schuld. Ein Blick ins Ausland zeigt, wie man es besser machen kann.

Der Einsatz der Vectoring-Technologie dient der Bertelsmann-Studie zufolge lediglich dem Breitbandziel einer flächendeckenden Versorgung mit 50 Mbit/s. Und danach? Wir wollen doch in die Gigabit-Gesellschaft. Was muss dann gefördert werden? Heinz-Peter Labonte wagt einen Blick in die Zukunft und stellt die des jetzigen Rundfunkstaatsvertrags in Frage, denn der Fall PietSmietTV offenbart einmal mehr, was passiert, wenn die Politik untätig ist.

Zurück zu den TV-Rechten: Seit Anfang des Jahres können alle, die sich im Medienbereich streiten, ein Verfahren vor dem Deutschen Medienschiedsgericht anstrengen. Ob die Schiedsrichter bereits mit Anträgen überhäuft werden, verrät Michael Feist, Vorsitzender des Vereins Deutsches Medienschiedsgericht e.V., im Interview mit MediaLABcom.

Neuigkeiten vom Bundesverband Lokal TV und Kurzmeldungen runden die Ausgabe ab. Wir wünschen Ihnen eine angenehme Lektüre.

Heinz-Peter Labonte, Herausgeber
Marc Hankmann, Redaktionsleiter
Dr. Jörn Krieger, Redakteur

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