DER KABEL-DEAL - WIE DER MITTELSTAND VOM UNITYMEDIA-VERKAUF PROFITIERT

 

Inhalte der aktuellen Ausgabe

Aufs falsche Pferd gesetzt

Die Deutsche Telekom müht sich redlich ab, Deutschland mit Breitband zu versorgen – hier und da sogar über Glasfaser. Im Großen und Ganzen versucht sie aber krampfhaft, das letzte kleine Bit aus der Kupferdoppelader herauszuquetschen. Da wirkt das Vorgehen der Kabelnetzbetreiber doch irgendwie eleganter. Ohne große Tiefbauarbeiten wird einfach das koaxiale Kupferkabel durch Glasfaser ersetzt. Und mit Docsis 3.1 legt das Kabel den Gigabit-Gang ein. Der DSL-Motor stottert derweil vor sich hin.

Wenn also die Telekom dieser Tage Gift und Galle gegen den Verkauf von Unitymedia spuckt, dann hat das auch etwas mit der Erkenntnis zu tun, aufs falsche Pferd gesetzt zu haben. Die Bonner wissen: Der DSL-Klepper macht’s nicht mehr lange. Und den Aktionären schwant, dass die Telekom vielleicht zu spät auf Glasfaser umsattelt.

Trotzdem muss all der Ärger über den geplanten Verkauf nicht sein. Er hat auch durchaus etwas Positives – selbst für die mittelständischen Kabelnetzbetreiber. Ärgerlich ist hingegen, dass ARD und ZDF noch mehrere Millionen Euro an Einspeisegebühren in den Rachen der marktmächtigen Kabelgiganten werfen, womit der langjährige Streit um diese Gebühren beendet wird. Für die vielen kleinen und mittelständischen Kabelnetzbetreiber muss sich dies wie ein Schlag ins Gesicht anfühlen.

Fraglich ist auch das finanzielle Engagement der ARD und der Landesmedienanstalten bei der Analogabschaltung im Kabel. Beide finanzieren sich durch die Rundfunkabgabe. Ebenso wie das ZDF, das eine Beteiligung am Projekt „Digitales Kabel“ aber ablehnt, da die Mainzer der Meinung sind, die Abschaltung des analogen Kabelfernsehens sei ebenso wie die vor Jahren getroffene Entscheidung zur Re-Analogisierung eine rein geschäftsstrategische Maßnahme, für die man keine Gebührengelder ausgeben sollte.

Wir richten unseren Blick in dieser Ausgabe aber nicht nur auf das Kabel. Der erfahrene Medienpolitiker Hans-Joachim Otto wünscht sich beispielsweise mehr Visionäre, gerade wenn es um die Chancen der Digitalisierung geht. Eine dieser Chancen heißt Künstliche Intelligenz. Über ihre Auswirkungen auf die Medienwelt sprachen die Medienregulierer auf ihrem alljährlichen Symposium. Doch die neue, konvergente Medienordnung lässt immer noch auf sich warten. Die Content-Anbieter werden langsam ungeduldig.

Neuigkeiten vom Bundesverband Lokal TV, Veranstaltungshinweise und Kurzmeldungen runden die Ausgabe ab. Wir wünschen Ihnen eine angenehme Lektüre.

Heinz-Peter Labonte, Herausgeber
Marc Hankmann, Redaktionsleiter
Dr. Jörn Krieger, Redakteur

aktuelle Ausgabe anzeigen

 

Unser Infodienst für Sie

MediaLABcom informiert Sie einmal pro Monat über aktuelle Entwicklungen in den Bereichen Kabel-TV, Breitbandnetze, Medienpolitik und Regulierung. Schwerpunkt sind die Geschichten hinter den Geschichten: Sie erfahren bei uns nicht nur, was passiert, sondern auch warum. Dabei betrachten wir insbesondere die Marktposition, Herausforderungen und Perspektiven des Mittelstands. Gleichzeitig wollen wir der Medienbranche mit provokanten Denkanstößen neue Impulse geben.

 
 

Wollen Sie Leser werden?

Hier können Sie sich für unseren Infodienst anmelden:

Der Infodienst MediaLABcom erscheint am letzten Donnerstag jedes Monats und wird kostenfrei per E-Mail verschickt.